Ausgewählte Literatur und Musik


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Ausgewählte HISTORISCHE LITERATUR

Alcock, Susan E. u.a. (Hrsg.): Pausanias - Travel and Memory in Roman Greece, Oxford 2001.
Ein Aufsatzband zur Periegesis des PAUSANIAS.

Braudel, Fernand: La Méditerraneé. L'espace et l'histoire, les hommes et l'heritage, Paris 1985. Deutsche Übersetzung: Die Welt des Mittelmeeres. Zur Geschichte und Geographie kultureller Lebensformen, hrsg. von Fernand Braudel, aus dem Französischen von Markus Jacob, Frankfurt am Main 1990, 5. Auflage Okt. 2000 (Fischer TB, 189 S.)

Endlich gelesen! Dieser schmale Band - gleichzeitig ein gutes Beispiel für die Absichten der Annales-Schule - ist mit großem Vergnügen zu lesen. Für Griechenlandfans Pflichtlektüre, weil es griechische Geschichte und Kultur in den notwendigen Gesamtkontext stellt und damit Abschied nimmt von der so weit verbreiteten unkritischen "Gräkomanie".



Ausgewählte BELLETRISTISCHE LITERATUR

Karistiani, Joanna: Die Frauen von Andros (Mikra Angalia), aus dem Neugriechischen von Norbert Hauser, Frankfurt a. Main 2001 (Suhrkamp).

Die Schicksale der an die Insel gebundenen Seefahrerfrauen stehen im Mittelpunkt des Buches. Auf der einen Seite, der Seite der Frauen, erleben wir Verantwortung für die Familie, geduldiges Warten, Resignation und Enge, auf der anderen, der Seite der Männer, richtet sich der Blick auf die Bedeutung und den Einfluss griechischer Seeleute, Kapitäne und Reeder im globalen Schiffsverkehr. Diese Hochzeit der griechischen Handelschifffahrt auf Weltniveau endet Mitte des 20. Jahrhunderts zuerst als Folge des 2. Weltkrieges und endgültig dann mit dem Vordringen der Billigflaggen. Diese meine Beobachtung ist zwar nicht Hauptthema des Buches, sie stellt sich aber im Hintergrund der Handlung unaufdringlich ein.


Markaris, Petros: Hellas Channel - Ein Fall für Kostas Charitos (Nichterinó Deltío), Zürich 2000 (Diogenes), Originalausgabe Athen 1995.

Wenn ich keine Gelegenheit habe, Athen zu besuchen, folge ich gerne den Spuren von Kommissar Kostas Charitos und bleibe auf kurzweilge Art und Weise mit der griechischen Hauptstadt in Verbindung. Dabei erlebe ich kein nostalgisches Erinnern, sondern bin mitten im modernen Griechenland. Auch werde ich mit leichter Hand und auf spannende Weise mit Themen konfrontiert, die sich dem zeitbegrenzt Reisenden nicht so leicht erschließen.
Im Hellas Channel hat Charitos es schwer, seine Ermittlungsarbeit neben sensationslüsternen Fernsehjurnalisten solide zu erledigen. Der zu lösende Fall spielt im Albanermillieu mit dem Hintergrund von Organtransplantations-Tourismus und Adoptionsgeschäft. Mit seinem Vorgesetzten hat Kostas eine stillschweigende Vereinbarung von konstruktiver Aufgabenteilung. Und das ist erfrischend anders als z.B. das entsprechende Klisché deutscher Fernsehserien. Wenn dann der Kriminaldirektor seinem Kommissar durch geschicktes Ausbalancieren zwischen Verwaltung und Ministerien im Mikrokosmos der Athener Politik die Arbeit erleichtert, kommen doch noch eigene Erfahrungen und Erinnerungen hoch. Und mit der Gewissheit, dass lieb gewonnene (Vor-)Urteile wieder einmal bestätgt werden, stelle ich das Buch zufrieden ins Regal meiner Hellas-Literatur zurück.
Und wer ist Markaris? Für etwas mehr Hintergrund zum Autor kann ich den (derzeitigen) Wikipedia-Artikel uneingeschränkt empfehlen.

Dialogauszug S.366:
"Was soll denn aufgefallen sein?"
"Dass alle Kinder Albaner sind. Kein einziger kleiner Grieche ist darunter."
"Wenn daran etwas Auffälliges ist, Herr Kommissar, dann ist es die Tatsache, dass halb Griechenland von Albanern bevölkert ist." [1]

(PT 03/2008)

Markaris, Petros: Live! Ein Fall für Kostas Charitos, Übersetzung aus dem Neugriechischen von Michaela Prinzinger, Zürich 2004, (Diogenes).

Die Lektüre dieses Markaris-Krimis war wieder ein großes Vergnügen und die Spannung der Art, dass ich mich zwingen musste, die 514 Seiten auf zwei Urlaubstage zu verteilen. Wie schon beim Hellas Channel ersetzt der Lesestoff eine Reise nach Athen. Da stellt sich nämlich zwischen Lykabettos, Kolonaki, Syntagma und Omonia einerseits wieder dieses Athen-Feeling ein, andererseits aber auch die Überzeugung, die Smog- und Verkehrshölle des Athener Sommers besser zu meiden.
Da Kommisar Charitos diesmal mit Einverständnis von Kriminaldirektor Gikas während eines Genesungsurlaubs verdeckt ermittelt, werden seine häuslich-familiären Verhältnisse Teil der Bühne. Auf ihr erscheinen Tochter Katerini, die in Thessaloniki Jura studiert, Schwiegersohn in spe Fanis, der Kardialoge und natürlich Frau Adriani. Ihre gefüllten Tomaten, selbstgewickelten Dolmades und Auberginen Imam verheißen alle Köstlichkeiten der griechischen Küche, wenn sie Kriminalwachtmeisterin Koula in die überlieferten Rezepte einweiht.
Kostas Charitos ermittelt im Dreieck von Wirtschaft, Medien und Politik wieder bedächtig aber zielstrebig. Da mich ganz zum Schluss das Mordmotiv nicht so recht zu überzeugen vermochte, erreicht meine Wertung allerdings nur 4 Sterne. Trotzdem, gleich morgen kaufe ich den nächsten Markaris-Band.

PT, Juli 2008



Tsemelis, Nikos: Jenseits von Epirus (Anasitissi), München 2001, Übertragung von Norbert Hauser, (Piper).

Eine Lebensgeschichte aus dem neuen Griechenland in den Jahrzehnten bis zur kleinasiatischen Katastrophe. Im Dreieck Lesbos/Mitilini, Manisia, dem alten Magnesia am Sipylos, und Smyrna entsteht ein Bild vom Lebensgefühl und Miteinander von Menschen verschiedener ethnischer Herkunft, Griechen, Osmanen und Armenier, an der kleinasiatischen Küste. Es ist die Welt des grenzüberschreitenden internationalen Handels auf der Basis der regionalen Produkte und der gemeinsamen ökonomischen Interessen der Oberschichten, bis 1921 die Folge der Politik der "Megali Idea" dieser Idylle ein Ende setzt. Dem Autor gelingt es, ein Bild der Koexistenz in der Zeitspanne bis zur Katastrophe zu zeichnen, also bevor die kriegerischen Auseinandersetzung gegen Ende der Nationalstaatsbildung von Griechenland und moderner Türkei diese friedliche Welt endgültig beenden und die unvorstellbar großen Bevölkerungsverschiebungen immenses Leid und eine Abgrenzung von Griechen und Türken bringt, die bis heute nachwirkt.

MUSIK

Mein derzeitiger Favorit ist dank Youtube dieser Aussschnitt aus Kosta Ferris Kultfilm Rembetiko.
Sehr gefühlvoll und vor mitgehendem griechischem Publikum singt Frangoulis 2001 life das berühmte 'Sto perigali ..' von Mikis Theodorakis. - Unter 'Mein Hellas' erscheinen im YouTube-Fenster weitere Lieder von Theodorakis und mit Maria Farantouri.


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[1] Ein griechischer Schriftsteller darf das so sagen! Das muss natürlich den umstrittenen Satz des deutschen Historikers Jakob Philipp Fallmerayer (1790-1861) wachrufen, der 1830 in seiner Vorrede zu seiner "Geschichte der Halbinsel Morea während des Mittelalters" geschrieben hatte: "Das Geschlecht der Hellenen ist in Europa ausgerottet [...] Denn auch nicht ein Tropfen edlen und ungemischten Hellenenblutes fließt in den Adern der christlichen Bevölkerung des heutigen Griechenlands". Generationen von vor allem griechischern Historikern mussten sich seitdem mit der Tatsache von Albaner- und Slaweneinwanderung sowie deren Einfluss auf die griechishe Nation auseinandersetzen.

16.7.2008

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